Freitag, 13. April 2018

PWW-Tester Bericht - Dahner Felsenland

Kerstin berichtet von ihrer Wanderung im Pfälzerwald

„Liebe Kerstin, wir freuen uns, dir mitteilen zu dürfen, dass du als einer unserer PWW-Tester ausgewählt wurdest!“, so lese ich in der E-Mail, die ich gerade gefunden habe! 3 Tage im Dahner Felsenland, 2 Übernachtungen im Hotel Eyberg mit Taschengeld! Juhu… Ich rufe sofort meinen Sohn, ob er mitkommen möchte? Na klar, wir lieben doch alle den Pfälzer Wald, zählen schon gar nicht mehr die vielen Male, die wir dort zum Wandern waren.

Nach Ostern, nach einem unendlich erscheinenden Winter geht es endlich los, hinein in den Pfälzer Frühling. Auf der Fahrt klettert das Thermometer stetig nach oben und erreicht die 18 Grad Marke bei unserer Ankunft in Dahn mit strahlendem Sonnenschein! Wir haben uns für den ersten Tag eine kürzere Tour zum Warmlaufen ausgesucht:

1. Tour: Burg Neudahn-Tour, 5,3 km

Vom Parkplatz an der PWV Hütte Dahn „Im Schneiderfeld“ geht es gleich aufwärts zum Elwetritschefels mit einer unvergleichlich schönen und für den Pfälzer Wald so typischen Aussicht über die umliegenden Höhen und Täler. Dann zieht sich der Weg erst weiter bergauf und dann beinahe eben durch den schönen Wald, vorbei an einigen Felsen bis zur Burg Neudahn. Unterwegs begegnen wir nur 2 anderen Wanderern und einem Mountainbiker.

Wir genießen das schöne Wetter und besteigen die Burg, wo wir eine kleine Rast mit Schokoriegel einlegen. Der weitere Weg führt uns durch ein Felsentor abwärts in das idyllische Moosbachtal. Am Campingplatz springt unser Hundemädchen schnell in den Weiher, für sie ist es schon fast zu warm. Überall zeigt sich frisches Grün und im weiteren Verlauf des Weges durch das Naturschutzgebiet begegnen wir einigen prachtvollen Kröten, die wie wir die Sonne genießen. Unser Hund bemerkt sie zum Glück nicht. Der letzte Teil des Weges führt eben und gemütlich entlang des Moosbaches sonnig zurück zum Parkplatz. Dort wartet eine kleine Überraschung: Der nette Hüttenwirt hat seinen Nebeneingang bei dem schönen Wetter trotz Schließtag geöffnet und schenkt Wanderern und Hunden kühle Getränke aus.

Fazit: Eine schöne, unschwere und gut markierte Halbtagestour, auch geeignet für Familien mit Kindern und Senioren.

  

 

2. Tour: Dahner Felsenpfad, 12,3 km

Ich werde durch anhaltendes Geplätscher geweckt. Das verheißt nichts Gutes und ein Blick nach draußen bestätigt meine Befürchtung: es gießt in Strömen! So lassen wir den Tag bei einem leckeren und ausführlichen Frühstück langsam angehen und tatsächlich: Gegen 10 Uhr lässt der Regen etwas nach. Wir packen wetterfeste Kleidung und Regenponchos ein und starten direkt ab dem Hotel. Es sind ja nur 12,3 km erkläre ich meinem Sohn großspurig, muss aber bereits während der ersten Stunde erkennen, dass die es in sich haben!

Es geht auf schmalen Pfaden steil hinauf zu bizarren Felsformationen und ebenso steil wieder hinab zum nächsten Highlight. Wir kommen kaum voran, da ich unentwegt staunen und fotografieren muss. Vorbei am Schillerfelsen wandern wir zum Schwalbenfelsen, den auch unser Hundemädchen besteigt. Atemberaubende Fernsichten eröffnen sich uns. Leider beginnt es nun wieder leicht zu regnen und wir ziehen unsere Ponchos über. Es umfängt uns eine neblig-mystische Stimmung und der Blick vom Elwetritschefels ist heute ein anderer als gestern bei dem sonnigen Wetter.

Nun haben wir uns nach etwa 2 Stunden eine Einkehr in der PWV Hütte verdient. Sie ist gut besucht trotz schlechtem Wetter, oder gerade deshalb? Nasse Wanderer trocknen sich bei einer warmen Suppe und anderen Pfälzer Leckereien. Sogar Hunde dürfen heute zum Trocknen in die Hütte. Prompt erscheint nach einer halben Stunde wieder die Sonne und wir können unseren Weg fortsetzen.

In einer Wiese findet unsere Hündin wieder eine Bademöglichkeit und setzt ihren Weg erfrischt fort. Nun erreichen wir einen spektakulären Felsen nach dem anderen, keine Menschenseele ist heute außer uns hier. Leider zieht es sich –typisch April- wieder zu und ab dem Rothsteigbrunnen beginnt es wieder zu regnen. Hier kann man gut die Sturmschäden des Winters erkennen, die jedoch schon weitgehend aufgeräumt sind. Kein umgestürzter Baum hindert uns mehr auf den Wegen. Die Forstarbeiter haben gute Arbeit geleistet. Am Ungeheuerfelsen müssen wir uns eine Weile unterstellen, da es stark zu regen beginnt. Aprilwetter, trösten wir uns, aber nun regnet es sich ein und wir wagen trotz Starkregen den Aufstieg zu m Büttelfels. Da kann unser Hundemädchen leider nicht mit hinauf und jammert daher am Fuße des Felsens. Wir genießen nur kurz die Aussicht und legen dann den Rest der Tour zügig infolge des Dauerregens zurück. Es ist klar, dass wir den Weg noch einmal bei besserem Wetter gehen werden!

Fazit: Auch bei schlechtem Wetter ein wunderschöner, anspruchsvoller Weg, der wegen des Sandbodens gut zu gehen ist und nur ganz selten rutschig wird. Er ist hervorragend markiert, man sollte aber einen ganzen Tag für diese Tour einplanen, da es so viele spektakuläre Felsformationen zu bewundern gibt. Die veranschlagten 5 Stunden haben wir weit überzogen!

Am Spätnachmittag zurück in Dahn, gönne ich mir noch einen Gang ins Felsenbad zum Aufwärmen, wo ich eine Freundin treffe. Am Abend lassen wir uns ein leckeres Essen im Bärenbrunner Hof schmecken und leeren eine ganze Flasche Pfälzer Wein! So gut ging es mir selten!

 

3. Tour: Bärensteig, 13,6 km

Der Tag beginnt leider wieder mit Regen, daher lassen wir uns wieder mit dem Frühstück Zeit. Die Freundin geht heute mit, auch sie hat heute in Dahn übernachtet. Wieder klart das Wetter gegen 10 Uhr auf und wir schaffen den anstrengenden Anstieg auf den Jüngstberg trockenen Hauptes und sind auf der Jüngstbergkanzel angekommen beinahe in Schwitzen gekommen. Wir werden von einem grandiosen Blick über den ganzen Wasgau belohnt, leider aber auch von einem starken eiskalten Wind wieder hinabgetrieben. Nun fängt es wieder an zu regnen und der Poncho, den es nun auch preiswert bei einem großen schwedischen Möbelhaus zu kaufen gibt, tut gute Dienste!

Der April beschert uns bereits an der Jagdhütte angekommen wieder Sonnenschein und so wandert der Poncho in den Rucksack. Wir überraschen in der Hütte 4 abenteuerlich gekleidete Jungs, die wohl die Nacht mit Wein und Gitarre dort verbracht haben. Sie suchen gerade das Weite, hinterlassen aber viel Müll um die Hütte, schade! Der April beschert uns nun weiterhin zwar kalten Wind, aber zunehmend sonnigeres Wetter, der Poncho bleibt im Rucksack. Ein wunderschönes Wegstück lässt uns immer wieder staunen und gibt auch Möglichkeiten für Gespräche. Erst am Drachenfels angekommen, begegnen uns die ersten Menschen. Wir besichtigen ausführlich die grandiose Burgruine und gönnen uns in einer windgeschützten Felsennische mit Blick über des Land ein Picknick aus dem Rucksack.

Dann geht es abwärts durch ein idyllisches, windgeschütztes und sonniges Tal, das uns schwärmen lässt: „Frühling lässt sein blaues Band…“ Hinauf wandern wir zu den Geiersteinen und staunen nicht schlecht, als wir in den Fels eingelassen eine Steckdose entdecken! Wir witzeln: Ladestation für Wanderer-Smartphones? Nein, erst später erfahre ich, dass dies der Waschplatz der Elwetritsche sei! Na klar, kann man sich ja denken, an solch einem besonderen Ort, an dem wir auch eine kleine Rast einlegen. Nun geht es entspannt und sonnig über eine wunderschöne Waldpassage zurück Richtung Parkplatz. Mein Sohn ist begeistert und läuft samt Hund über den Schuhfels weit voraus.

Fazit: Eine wunderschöne Tour, meine neue persönliche Lieblingstour im Dahner Felsenland, nicht zuletzt wegen der spektakulären Burg Drachenfels. Der Bärensteig ist nicht ganz so anstrengend wie der Felsenpfad, aber einsamer und abseits der Ortschaften. Obwohl länger, ist er schneller zu gehen als der Felsenpfad. Wir brauchten trotz ausführlicher Pausen nur 5 ½ Stunden. Dennoch einen ganzen Tag einplanen, um den Drachenfels ausgiebig zu erkunden und falls geöffnet, in die PWV Hütte dort einzukehren.

Weitere Informationen zum Dahner Felsenland: www.dahner-felsenland.net

Nachtrag zum Thema Barrierefreiheit und Inklusion:

Mein Sohn (22 Jahre) ist hörbehindert und Träger zweier Cochlear-Implantate, ohne die er gehörlos ist. Viele Sportarten bereiten ihm Probleme (Wassersport, Fahrrad, Sportarten mit hohem Lärmpegel), aber das Wandern hat ihm immer gut gefallen. Er betont schon bald alleine mit seinem Hund in die Pfalz kommen zu wollen, da ihm die anspruchsvollen und ruhigen Wege gut gefallen und Spaß gemacht haben. Sie fordern körperlich, entspannen aber gleichzeitig wegen der Ruhe, die nicht nur ihn, sondern jeden in den Bann zieht.

Sein Tipp: die „Gastlandschaften-APP“, von der man die Touren vor der Wanderung herunterladen kann und während der Tour offline auf dem Smartphone zur Orientierung nutzen kann. Das Netz ist leider (oder vielleicht zum Glück?) sehr schlecht zwischen den Felsen - ob das wohl an den Elwetritschen liegt?

Mit dem richtigen Schuhwerk (kann in Hauenstein problemlos erworben werden!), wetterfester Kleidung und einem zünftigen Picknick im Rucksack sind die Wege bei jedem Wetter und in jeder Jahreszeit ein Genuss! 

 

 

Schatten